Sylvia Flückiger-Bäni, Nationalrätin, Badweg 43, 5040 Schöftland, Tel. 062 721 32 30  / Homepage: werbelaube.ch

Aktuelle und zukünftige Wirtschaftslage in der Holzindustrie

Die Überbewertung des Schweizer Frankens hat anfangs 2015 mit der Aufgabe des Euro-Mindestkurses noch zugelegt, was die Holzindustrie stark fordert. Das Verständnis der Waldbesitzer, die Erfolge mit dem Herkunftszeichen Schweizer Holz und weitere Marktanteilsgewinne für Holz am Bau sind die massgebenden Faktoren, welche die Holzindustrie auf Kurs halten. Es wird immer mehr mit Holz gebaut, das ist erfreulich, man muss aber immer auch beachten, wer die Profiteure sind.

 

Die Holzindustrie, die sich schon mit dem fixierten Wechselkurs 1.20 CHF/€ nicht wohl fühlte und gefordert war, hat nach dem Fallen der Kursbindung am 15.1.15 kommuniziert, dass sie in Bedrängnis gerate. Sie ist klar stärker betroffen als andere Industriebetriebe. Wenn alle Kosten wie Löhne, Energie, Miete etc. in harten Franken anfallen, die Produkte aber über Nacht um mehr als 10% billiger importiert werden können, entsteht grosser Druck. Darunter leiden alle produzierenden Betriebe, ob nun einheimisches oder nordisches Holz verarbeitet wird. Was schlussendlich zählt ist vor allem der Preis. Leider genügt es auch nicht mehr darauf hinzuweisen, dass die Produkte aus heimischer Produktion stammen, und damit unsere Arbeitsplätze gesichert werden.

 

Kompliment an die Waldbesitzer, nicht an die Politik

Schon wenige Tage nach dem 15. Januar 2015 war klar, dass die Rundholzpreise um 10-15% sinken würden. Die Waldbesitzer haben das mitgetragen und nicht etwa die Holzernte eingestellt. Die Waldbesitzer zeigen also Verständnis für die schwierige Lage der Sägeindustrie und lassen deren Versorgung nicht ausfallen. So werden gemeinsam Marktanteile auch für Schweizer Holz verteidigt.

Dennoch geraten mit den tieferen Preisen mehr Holzschläge in die roten Zahlen und ein Rückgang der Holzernte ist in den nächsten Monaten nicht auszuschliessen.

Für die Unterstützung der Holzernte im Hügel- und Bergland ist es wichtig, dass die Kantone die Seilbringung unterstützen. Im Mittelland sollte der Forstdienst ebenfalls Akzente zu Gunsten der Holzernte setzen – nicht nur wegen der Versorgung der Holzindustrie und der Energieanlagen, sondern auch, um einen besser durchforsteten und verjüngten Wald anzustreben, der widerstandsfähiger ist gegenüber jeglichen Klimaphänomenen.

Mit der Währungskorrektur ist jeder Prozess-Schritt im Inland teurer geworden – zum Beispiel der Holztransport, der jetzt etwa 60% teurer ist als im benachbarten Süddeutschland. Die Holzindustrie forderte mit politischen Vorstössen zwei Erleichterungen, hat aber nichts bekommen (44 statt 40 Tonnen Gewichtstoleranz beim Rohholztransport wären mit dem vorhandenen Fuhrpark umsetzbar und würden den Bund nichts kosten. Die Aufhebung der LSVA für den Rohholztransport - in den Wald führen keine Schienen - hätte 15 Mio CHF Einnahmenausfall für den Bund zur Folge).

Die Einsparungen hätten den Transportkosten-Nachteil der Schweizer Holzindustrie gegenüber Deutschland von 60 auf 30% halbiert, dies ohne neue Geldquellen anzuzapfen, aber die Politik blieb pickelhart auf ihrem liberalen Kurs. Wir warten immer noch darauf, dass die Wirtschaftlichkeit in den Wäldern wieder mehr gewichtet wird. Nichts gegen Biodiversität, aber das Verhältnis stimmt schlicht einfach nicht. Und auch der Wald lebt nota bene von den Einnahmen.

 

Verbesserung nach einem schlechten Jahr 2015

Wegen der Aufhebung des Euro-Mindestkurses haben die Schweizer Hersteller von Schnittholz, Holzwerkstoffen, Papier und Pellets im vergangenen Jahr 10% und mehr Umsatzeinbussen erlitten. Zur Bewältigung der herausfordernden Lage setzen die rohholzverarbeitenden Betriebe laufend Optimierungsmassnahmen um und investieren in Rationalisierungen und Innovationen. Die Produktionsmengen dürften um gut 5% unter Vorjahresniveau liegen. Die eine und andere Investition musste aufgeschoben werden. Nur mit grösster Mühe und enormer Anstrengung können die Umsatzzahlen, wenn überhaupt, nur noch sehr knapp erreicht werden, aber das Fatale ist ganz klar die fehlende Marge.

Sorge bereitet der Sektor Holz-Verpackung/Palette, weil dessen Auftragsvolumen und Holznachfrage direkt vom Gedeihen der Maschinenindustrie abhängt, die ja tendenziell Kapazitäten ins Ausland verlagert

Der Lichtblick kommt vom Bau: 2016 wird der Marktanteil für Holz weiter steigen, auch wenn der in den letzten Jahren überhitzte Wohnungsbau nun Bremsspuren zeigt. Immer mehr grossvolumige und mehrstöckige Wohn- und Geschäftsbauten werden nun in Holz erstellt. Grundvoraussetzung dazu ist die Marktentwicklung mit Hilfe der Brandschutznormen und die Leistungsfähigkeit der Schweizer Holzbauer und Holzbau-Ingenieure – und auf dieser Basis kann die Branche nun die immer zahlreicheren und vielfältigeren Bauherren- und Architekten-Wünsche für klimagerechtes Bauen erfüllen.
Jetzt müssen wir auch dafür besorgt sein, dass wenn immer möglich, die Wertschöpfung in der Schweiz bleibt. Und hier ist auch die öffentliche Hand in ihrer Vorbildfunktion gefordert mitzuhelfen.

 

 

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